
Wir haben es hier mit äußerst komplizierten Erscheinungen des gesellschaftlichen Lebens zu tun, sodass bei Lagebeurteilungen eine hohe Fehlerquote vorliegen wird.
Lenin wies darauf hin, dass es extrem schwierig ist, einen Krieg richtig zu lesen. Zum Beispiel behauptet bürgerlicher Vulgärjournalismus oberflächlich, ein Land führe einen Krieg gegen jenes Land, eine Kriegskoalition führe einen Krieg gegen jene Kriegskoalition oder, eine Großmacht führe einen Krieg gegen jene Großmacht.
Das Wichtigste ist verschwunden:
Der Klassenkampf. Welche Klasse führt den Krieg? Jeder Krieg entspringt einer politischen Ordnung und ist mit dieser verkettet. Es ist im Kern nicht die Großmacht, die den Krieg lenkt. Es ist eine bestimmte Klasse innerhalb einer Großmacht, die ihre eigene Politik schon lange vor dem Krieg verfolgt hat und diese mit Kriegsbeginn und jetzt mit gewaltsamen Mitteln fortsetzt.
Die Vorlaufzeit, die Periode der politischen Vorgeschichte des Krieges ist zu seinem Verständnis unverzichtbar und gerade diese müssen bürgerliche Ideologen zwecks Wesensverwischung des Krieges unterbelichtet lassen. Die Methoden der Massenmanipulierung durch die bürgerlich imperialistischen Massenmedien werden immer raffinierter. Hier ohne das Studium der Klassiker auszukommen, ist schier unmöglich.
Der Krieg, schon das wird von der bürgerlichen Journaille übersehen, weist einen sozialen Charakter auf und es ist zu fragen, welches sind die Ursachen des Krieges, welche Ziele hat er und welche Klassen führen ihn.
So wurden zum Beispiel im 19. Jahrhundert nationale antifeudale Befreiungskriege, progressive Elemente enthaltend, federführend von den Industriekapitalisten angeführt. Ab dem 20. Jahrhundert war der kapitalistische Krieg umgeschlagen in einen reaktionären imperialistischen Krieg unter Federführung der Finanzkapitalisten, die vom Typ her nur reaktionäre imperialistische Kriege führen können. Was von der bürgerlichen Ideologie in der hektischen Vorbereitungsperiode eines dritten Weltkrieges übergangen wird ist die Tatsache, dass der Krieg eine historische Erscheinung ist. Eine historische Erscheinung aber beinhaltet eine vorübergehende Besonderheit, die mit der antagonistischen Klassenspaltung in der Vorgeschichte der Menschheit ebenfalls liquidiert wird. Metaphysische Ideologen behaupten, Kriege zu führen, gehöre zum ewigen Wesen des Menschen und dies Menschenwesen wird starr und stabil fixiert. Nur die Erscheinungen dieses Wesens sind wandelbar und veränderlich.
Aristoteles bestimmte Gott als den unbewegten „Beweger“ und alle gesellschaftlich progressiven Strömungen gingen gegen diese Wesensimmobilität vor, besonders in der bürgerlichen französischen Aufklärung. Aristoteles betrachtete Materie als zur Selbstbewegung unfähig. Deshalb musste er zu einer so verbogenen Gottesbestimmung greifen. Seiner Ansicht nach ist außerhalb der Materie ein besonderer „Beweger“ notwendig. Die Dialektik, sowohl die idealistische als auch die materialistische, geht aber von inneren Widersprüchen im Wesen der Dinge selbst, als Bewegungstriebkraft, aus.
Für Hegel entfaltet sich Gott nicht in der Geschichte, sondern als Geschichte, diese als Gotteswerk und Gottesdienst zugleich. Die Metaphysik, die metaphysische Betrachtungsweise anerkennt ein unveränderliches Wesen der Dinge.
Anders die materialistische Dialektik:
Nicht nur die Erscheinungen sind vergänglich, sondern die Wesenheit der Dinge zugleich. Ewigkeit ist das Horrorwort der Dialektik, für die das angeblich ewige Wesen sich epochal qualitativ verflüssigt.
„Die Handmühle ergibt eine Gesellschaft mit Feudalherren, die Dampfmühle eine Gesellschaft mit industriellen Kapitalisten“
(Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Werke, Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,130).
Für die Dialektik wird die ewige unendliche Entwicklung zum Wesen. Ewig ist nur diese unendliche Entwicklung und diese geht von der klassenlosen und unpolitischen Urgesellschaft hin zum ebenfalls unpolitischen Kommunismus. Dazwischen hängt die bürgerliche Gesellschaft und ihre ideologischen Reflexe in Gestalt der Politik, der Religion, der Philosophie, der Kultur … Wie sich ein Drachen in einem Baum verfangen hat. Sie hängt dazwischen, eigentumsbedingt, fest:
„Was ihr für das antike Eigentum begreift, was ihr für das feudale Eigentum begreift, dürft ihr nicht mehr begreifen für das bürgerliche Eigentum“
(Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Werke, Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,478).
Die Ursachen, sowohl des imperialistischen Krieges, als auch des klassenintern-nationalen Bürgerkrieges, sind in der ökonomischen Grundlage der antagonistischen Klassengesellschaft zu suchen. Der imperialistische Krieg stellt eine direkte Verlängerung des Privateigentums an den Produktionsmitteln dar. Dieses stellt die eiserne ökonomische Grundlage des reaktionären imperialistischen Krieges dar, seine Urquelle, die also nicht im Wesen des Menschen liegt. Bürgerliche Ideologie hat das zu verkehren. Sie hat die Wirklichkeit falsch, herrschaftsfixiert und die Volksmassen niedertrampelnd widerzuspiegeln. Ihre materialistische Kritik, ideologische Verblendung vom Kopf auf die Füße umzukehren. Immer wieder müssen Marxisten-Leninisten ihre Reflexion unterbrechen, um zu hinterfragen, spiegeln wir die Wirklichkeit richtig wider? Warum spiegeln nur die Marxisten-Leninisten die Wirklichkeit wissenschaftlich wider und nicht ideologisch? Es geschieht dies hauptsächlich aus zwei Gründen: Sie sind bis zu einem gewissen Grad mit den Volksmassen verbunden, halten Augen und Ohren an diese und sie überprüfen ihre Theorien ständig durch eine antikapitalistische revolutionär-militante Praxis, tendenziell Privateigentum überwindend. Die Bourgeoisie beharrt auf diesem, kann keine Wissenschaft hervorbringen, sondern Stückwerk, objektive Wissenschaft aushöhlend. Völker ohne Wissenschaft sind gelähmt, gequält und ideologisch vergiftet. Für eine dahinfaulende bürgerliche Klasse kann es keine Fortschrittsinspiration mehr geben.
Die Volksmassen rufen nach Wissenschaft und Wahrheit und bekommen Wasserwerfer, Tränengas, Polizeiknüppel und Armeestiefel ins Gesicht.
Das Wesen der Bourgeoisie selbst hat sich gewandelt. Das Wesen ist eben wie gesagt nichts Starres. Fortschrittlich war sie als junge Klasse im Kampf gegen den feudal-klerikalen Staat, heute ist die alte Bourgeoisie reaktionär und nicht mehr zu nationalen Befreiungskriegen in der Lage, nur noch zu reaktionär imperialistischen. In der Epoche des Imperialismus existieren verschiedene Arten von Kriegen. Neben imperialistischen Kriegen gibt es auch nationale Befreiungskriege. Die Bourgeoisie jedoch ist nur noch in der Lage, imperialistische Kriege zu führen. Alle heutigen kleinbürgerlichen und bürgerlichen Parteien handeln aus dem Interesse heraus, ihre Klassenherrschaft zu sichern. Dahinter steht die Gier nach Profit. Dadurch betrachten sie den Krieg als etwas Unvermeidliches und Unveränderliches. Für sie wird er zu einer festen, unverrückbaren Konstante der menschlichen Geschichte. Das ist das stinkende und faulende Wasser der spätbürgerlichen Dekadenz. Nicht der Imperialismus darf schuldig sein am Krieg, sondern die sündige Arbeiterklasse, der unzulängliche Mensch, der rohe Pöbel und die ausgelaugten Kleinbauern, ungebildete Menschen. Doch nicht die feinnervigen Finanzkapitalisten.
Die bürgerliche Gesellschaft ist die politische Klasse schlechthin. Schon in ihrer Emanzipationsphase war sie politikaffin, sie hatte nie die Intention weder die Politik noch den Krieg, der aus der Politik sich fortsetzend gezeugt wird, zu überwinden. Spätestens seit Clausewitz ist der Zusammenhang von Politik und Krieg als ein gesetzmäßiger zu fassen. Heute gehört dieses Wissen zu dem fundamentalen in unserer Zeit. Die Kunst bürgerlicher Politik besteht heute darin, die arbeitende Menschheit sinnbildlich auch 2025 ff. als auszubeutende an das Kreuz der Geschichte zu nageln, so wie man in der Antike, 6. 000 Spartakisten 71 v.u.Z. (v.u.Z. = vor unserer Zeitrechnung) an der Via Appia zwischen Capua und Rom kreuzigte.
„Die Freiheit der kapitalistischen Gesellschaft bleibt immer ungefähr die gleiche, die sie in den antiken griechischen Republiken war: Freiheit für die Sklavenhalter“.
(Lenin, Staat und Revolution, Werke, Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960, 474).
________________________
Ihr könnt dies Magazin unterstützen, indem ihr:
- Freunden, Bekannten, Kollegen und Gleichgesinnten
von diesem OnlineMagazin DER REVOLUTIONÄR erzählt; - Einen Link zu diesem Magazin an sie versendet;
- Die jeweiligen Beiträge teilt oder mit einem Like verseht;
- Eine Empfehlung in den sozialen Medien postet;
- Die Redaktion und Öffentlichkeitsarbeit durch Artikel,
Leserbriefe, Videoberichte und Kritiken unterstützt,
gerne auch als Gastartikel oder Volkskorrespondent; - Unsere Seite bei Facebook mit einem Like verseht;
(https://www.facebook.com/DerRevolutionaer);
.
Hinterlasse jetzt einen Kommentar